So zuallererst, kann ich euch beruhigen……uns geht es gut! Auch wir haben gestern von den Terroranschlaegen in New Dehli und Bombay gehoert! Wir sind hier in einem Bundesstaat, in den sich nur wenige Touristen verirren und somit kein so grosser Anziehungspunkt fuer Terroristen darstellt! Leider gibt es hier keine internationale Presse und wir sind auf Informationen aus dem Internet angewiesen, wo wir nicht taeglich sein koennen!
Nach den Hochzeitsvorbereitungen und der Hochzeit bei Paula, wurden wir nur wenige Tage spaeter im Hostel mit einer aehnlichen Zeremonie wie bei den Hochzeitsvorbereitungen konfrontiert. Ein Maedchen aus unserem Hostel bekam das erste Mal ihre Periode. Alle Frauen und Maedchen, die bereits ihre Tage haben, also auch wir gingen gemeinsam mit dem Maedchen in ihren Schlafraum. Das Maedchen setzte sich auf eine Matte und es wurde ein Fruchtbarkeitslied, wie bei der Hochzeit gesungen. Das Maedchen bekam Gaben in Form von Blumen, Kokosnuss, Zucker, Oel, Reis und wieder das gelbe Pulver. Das Maedchen hielt einen Apfel in der Hand. Dann wurde eine halbe Kokosnuss mit Oel ueber ihrem Kopf zerbrochen und das Oel in ihr Haar geschmiert, sowie die Blumen in ihr Haar gesteckt. Anschliessend schmierte jeder sie mit der gelben Paste ein und beschmiss sie 3 Mal mit Reis. Danach bekamen alle 2 Striche Paste unter das Kinn und die Fuesse wurden ebenfalls gaenzlich eingeschmiert. Anschliessend bekamen alle noch ein Stueck Kokosnuss mit Zucker zum Essen (lecker), auch das Maedchen. Dann wurde das Maedchen am ganzen Koerper mit der gelben Paste eingeschmiert und musste so die naechsten 3 Tage alleine auf der Matte verbringen (Das muss ultra langweilig gewesen sein und sie tat uns richtig leid, da sie wie eine Aussaetzige behandelt wurde). Nach 3 Tagen wurde sie gebadet und bekam neue Kleider. Auf dem Dorf findet normalerweise dann noch eine riesige Feier mit allen Verwandten statt, mit den ersten Saris als Geschenk.
Das schoenste Erlebnis im November war ein Ausflug mit unseren Maedchen. Es war ein Ferientag und wir machten es, durch unsere Heimleiterin, moeglich, einen Ausflug zum Damm und in einen Park hier in Karimnagar zu machen. Als die Meadchen davon erfuhren, ging ein Freudenstrahlen ueber ihr Gesicht. Alle zogen ihre besten Kleider an und machten sich fuer diesen Ausflug richtig huebsch. So fuhren wir in einem viel zu kleinen Bus, bei Sonnenschein, aufgeregter Stimmung und gemeinsamen Singen zum Damm. Dort angekommen, wurde uns ein Blick ueber ganz Karimnagar und auf der anderen Seite Wasser und Berge offenbart. Franziska und ich beschlossen gleich bei Sonnenuntergang hier nochmal herzukommen (Ihr glaubt nicht wie rot hier der Sonnenuntergang ist, soooooooo romantisch
!). Die Maedchen kauften sich Snacks von ihrem wenigen Taschengeld und auch wir goennten uns, von der Stimmung angesteckt, ein paar Samosas (Die schmecken echt genial!). Nach dem wir die Aussicht aussreichend genossen hatten, ging es weiter in einen grossen Park. Dort konnten wir Tiere anschauen, spielten ausgelassen auf einem Spielplatz und liefen durch ein Labyrinth. Es machte so viel Spass und die lachenden und leuchtenden Kinderaugen machten uns sprachlos und gluecklich. Endlich mal raus aus dem Alltag und Kind sein ohne irgendwelche Pflichten im Kopf zu haben. Das erste Mal ein Gefuehl von Wochenende und auch alle Mitarbeiter genossen diese Auszeit.
Der Girls Day (wir veranstalteten eine Wohltaetigkeitsveranstaltung), war ebenfalls von Erfolg gepraegt……naja die Vorbereitungen darauf waren etwas anstrengend. Erst einmal bastelten wir ueber 50 Sterne zum verkaufen (was uns nach spaetestens dem zweiten keinen Spass mehr gemacht hat!) und versuchten mit den Kindern unter den gegeben Umstaenden Kekse zu backen. Naja, der Blick, als die Maedchen das erste Mal hineinbissen sagte schon alles….wir mussten einiges davon unseren Schweinen und Huehnern vor dem Haus ueberlassen. Doch dank der „grosszuegigen“ Hilfe unserer Ollen (sie hat uns ein indisches Rezept fuer Kekse gegeben, nach mehrmaligem nachfragen), klappte es schliesslich doch noch. Wenigstens hatte sich die Arbeit gelohnt, denn wir erzielten den Rekord an verkauften Sachen (Ha…unsere Olle nahm am wenigsten ein, dass war ein Spass!)….naja ich glaube die Tatsache, dass wir Weiss sind, war sehr Verkaufsfoerdernd. Haetten wir Fotos von uns verkauft, waere wahrscheinlich fuer die naechsten paar Monate ausgesorgt gewesen
!
Ein weiteres Erlebnis, war ein Besuch bei einer Hindu-Familie und einer Muslimen-Familie. In der Hindufamilie wurden wir erst einmal von einem Tempel zum naechsten geschleppt und bekamen irgendwelche Sachen zum Essen oder mussten Zuckerwasser trinken und den Rest anschliessend ins Haar schmieren. Wir durften zusehen, wie so eine Gebetszeremonie ablaeuft und bekamen Rituale, Regeln und einiges ueber den Glauben erzaehlt. Uns wurden die vielen Goetter aufgezaehlt und wir wurden von einem Hindguru gesegnet, dass wir bald verheiratet werden bzw. unsere Eltern, dass sie ihre Kinder los werden (Danke!)! Bei der Muslimenfamilie wurden wir in das scharze Ganzkoerperkleid gesteckt und wurden als muslimische Braut verkleidet. Zum Schluss bekamen wir unsere Haende mit Henna bemalt, was echt genial aussah wobei wir 3 Std. mit still sitzten ausharren mussten. Man sieht jetzt noch die Reste! Es war ein echt interessanter und spannender Tag.
Dort wurde uns auch gelehrt, dass man sich gleich Freund nennt, wenn man sich einmal gesehen hat und man sich als Freund fuer nichts bedanken darf und muss. Seit dem bekommen wir von allen moeglichen Indern FreunschaftsSMS (mega kitschig und soooo romantisch), die uns so auf den Geist gehen! AAAAAHHHHHHHH!
Vor einer Woche machten wir dann einen 3-taegigen Tripp mit der Bischofssekretaerin nach Hyderrabad. Endlich nach 21/2 Monaten „Dorf“, mal wieder ein bisschen Grossstadt. Wir waren im Kino (James Bond), einem richtigen Supermarkt, haben die Sehenswuerdigkeiten abgeklappert und haben uns nur von Fastfood ernaehrt. Es tat richtig gut, endlich mal raus zu kommen, auch Abstand von unserer Ollen zu haben! Wir kamen richtig zufrieden zurueck ins Hoste! Waehrend dem Hyderrabadtrip mussten wir leider auch erfahren, dass Sheba (die wir mittlerweile echt sehr gerne moegen) naechstes Jahr verheiratet wird. Wir kennen sie als selbsbewusste, intelligente und unabhaengige Frau und jetzt das! Sie erzaehlte uns, dass sie das ihren Eltern zuliebe macht und das der Mann in ein bestimmtes Raster passen muss! Sie war wohl schon einmal verliebt und dann musste sie Nein sagen, weil der Mann nicht in das Raster gepasst hat! Letzte Woche hat sie ihren zukuenftigen kennen gelernt, einen Kopf kleiner, kann kein Englisch (Sheba spricht perfekt Englisch und liebt es auch in Englisch zu sprechen). Ihre Eltern haben gesagt, sie duerfe beim Treffen kein Englisch und vor allem nicht zu viel reden! Oh mann, dass ist so krass! Jetzt hat ihr Onkel aber wohl gesagt, dass das nicht eine Augenhoehe ist und sie ihn nicht nehmen muss, ein Glueck! Im Januar geht sie jetzt erst einmal fuer 6 Monate nach Suedafrika, vielleicht findet sie ja dort den Mann, den sie wirklich heiraten will!
Ansonsten kann ich euch eigentlich nur Merry Christmas wuenschen! Hier findet gerade eine Christmas Function nach der anderen statt, mit 1 1/2 Stuendigem Krippenspiel, Reden und anschliessendem Haende schuetteln und Merry Christmas wuenschen! Unsere Olle hat im Krippenspiel Herodes gespielt, sie wollte die Rolle wohl unbedingt haben…und zu wem passt sie besser als Amma, sie musste sich nicht einmal verstellen
!!!
Heute Abend werden wir bei den Maedchen unseren Selbsgebastelten Adventskalender einfuehren und sind gespannt wie das wird!
Ich wuensche euch allen eine schoene Vorweihnachtszeit und hoffe, dass ihr nicht allzu arg frieren muesst! Wir haben stetige 30C…..neidisch
!!! Bis bald……..
P.S. und nicht zu vergessen, unsere Helferin ist gegangen, da sie eine Ausbildung anfaengt….seit dem muessen die Kinder Ammas Waesche waschen und ihre Wohnung putzten. Wir haben heraus gefunden, dass Amma unsere Koechin schlaegt und sie des oefteren zum Weinen bringt! Ihr glaubt gar nicht, wie abartig wir diese Frau mittlerweile finden und wie wenig Respekt wir ihr noch entgegen bringen koennen!
Mann oh Mann,
hi Annika, bin froh zu lesen, dass es dir trotz einiger widriger Umstände ganz gut geht. Was eure Olle angeht kann ich nur sagen, dass ich euch sehr gut nachfühlen kann, wie es sein muss, solche Dinge nicht wesentlich verändern zu können. Doch finde ich es wichtig, dass man dem Gegenüber spiegelt, wie das auch noch wahrgenommen werden kann. Vielleicht dringt ja doch das ein oder andere ins Bewußtsein und löst zumindest im stillen Kämmerlein Gedankengänge in andere Richtungen aus. Man kann es nicht wissen, aber allein der Gedanke, dass es doch sein könnte, kann einiges bewirken. Ja, so hat jeder seine eigene Wirklichkeit und Sicht der Dinge. Ich bewundere euch und eure Fähigkeit, diesbezüglich das Beste daraus zu machen, ohne euch selbst dabei aufzugeben. Bin mir ziemlich sicher, dass ich da so meine Schwierigkeiten hätte.
Das einzige um das ich euch momentan beneide, sind die Temperaturen.
Das wäre genau meins mhhhh. Werde demnächst mal wieder reinschauen.
Bis dahin wünsche ich euch viel Toleranz ohne Selbsaufgabe.
Bleibt euch treu!
liebe Grüße
Tatjana
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